A-Woche im Peter-Weiß-Haus, ein Bericht
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In der Woche vom 18.-22. Oktober war im Peter Weiß Haus zu Rostock die A-Woche. Die A-Woche versteht sich als eine Woche, in der verschiedenste Veranstaltungen zu (alternativen) gesellschaftspolitischen Themen stattfinden. Da ich doch nicht rund um die Uhr Zeit habe, hab ich nur einen kleinen Teil des Angebots besuchen können. Von diesen möchte ich hier nun Berichten.
Die erste Veranstaltung die ich besucht habe, passte am wenigsten zur A-Woche und gehört auch eher zu einem Programm, dass das Literaturhaus Rostock veranstaltet. Das Programm thematisiert die nordische, speziell die isländische Literatur. Passend zum Gastland der Buchmesse zu Frankfurt dieses Jahres kamen zwei bekannte Autoren isländischer Herkunft nach Rostock. Der eine, Einar Kárason, ist vor allem durch seine Baracken-Triologie bekannt. Seine beiden neusten Romane, welche in absehbare Zeit zu einer Triologie erweitert werden, handeln von der für Island wichtigen Zeit des 13. Jhd. In dieser bewegenden Zeit schrieben die Isländer ihre Island-Sagas, deren Inhalt Jahrhunderte zurückreicht. Eben diese Island-Sagas wurden letztes Jahr auf deutsch übersetzt. Beteiligt war der zweite Gast des Abends, Kristof Magnusson, welcher zurzeit in Deutschland arbeitet und lebt. Es erklärt sich von selbst, dass das Thema des Abends die Island-Sagas und deren Zeit ist. Kárason ist in seiner Heimat Island auch ein bekannter Rhetoriker und Dozent, weshalb er wohl auch in dieser Veranstaltung die geschichtlichen Hintergründe zu den Island-Sagas zum Besten gab. Auf Isländisch wohlgemerkt, welchen dann Abschnittsweise von Magnusson auf deutsch wiedergegeben wurde. Insgesamt gelang es den Beiden gut, Interesse und Wissen über diese Zeit zu vermitteln. Island, das gerade ein Jahrhundert davor zu einer Schrift kam, schuf sich mit den Island-Sagas einen Gründermythos in einer gewaltvollen Zeit. Denn die Isländer kamen ohne König aus, siedelten im 9. Jhd. von Norwegen aus über und waren im 13. Jhd tief gespalten. Es kam zu Konflikten und Kriegen zwischen den Familienklans. Über diese Schlachten, mehr aus Sicht einfacher Leute schreibt Kárason. Die Island-Sagas, die für vor über 700 Jahren recht modern daher kamen, sind Gegenstand einer recht umfangreichen Wissenschaft.
Die zweite Veranstaltung, die ich besucht habe, beschäftigte sich mit Wachstumskritik. Eingeladen war Andrea Vetter von Attac, die einen Workshop veranstaltete. Zu Beginn sollte man sich in kleine Grüppchen einordnen in denen von Vetter vorgefertigte Zitate besprochen werden könnten. Diese Zitate von bekannten Figuren aus Wirtschaft und Politik beriefen sich stets positiv auf (Wirtschafts-)Wachstum. Eben jenes Bild, was man auch aus Tagesschau und Zeitung kennt. Schnell wurde mir klar, dass die sonstigen Anwesenden recht kritisch über Eigenschaften von Wirtschaftswachstum dachten. Ein tieferes Eingehen auf das Zitat war in der kurzen Zeit (3-4 Minuten) leider aber nicht möglich. Nachdem man sich noch 1-2 mal in neuen Grüppchen und Zitaten wiedergefunden hat, übernam Vetter wieder die Regie und hielt einen Kurzvortrag darüber, was Wirtschaftwachstum nicht kann. Schnell wurden die üblichen Argumente für Wirtschaftswachstum von verschiedenen Studienergebnissen zumindest nicht bestätigt. Weniger Arbeitslos, mehr Gehalt, mehr Bildung, weniger Arme, weniger Arbeitszeit, dies alles lässt sich nicht wirklich durch Studien belegen. Und auch wenn man sich die wirtschaftlichen Umstände anschaut, so lässt sich manchmal genau das Gegenteil erkennen. Wie sollen sich Arbeitsplätze durch Wirtschaftswachstum erschaffen lassen, wenn doch jedem aus der eigenen Erfahrung klar ist, dass Produktionswachstum vorallem durch Automatisierung geschieht. Dabei werden aber Menschen ersetzt und keine zusätzlichen eingestellt. Im Saal gab es keinen Widerspruch, vielmehr Kopfnicken. Die meisten Statistiken sind offiziell und für Jeden verfügbar. Dennoch muss man beachten, dass die Hintergründe der Stastiken ebenso wie die Grundlage der Bemessung oft nicht genannt wurden. Hier lässt sich mit anderem Horizont bei einigen vielleicht zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Als (wenn auch nicht kompletter) Laie in Statistik und stochastischer Mathematik kann ich hier aber keine Aussagen zu machen. Nachdem der Vortrag beendet wurde, ging man wieder in die Gruppenarbeit über. Nun war es Aufgabe, ein Leben in 10 Jahren gedanklich zu zeichnen, in welches man gerne leben möchte. Für mich ein unmögliches Unterfangen. Klar weiß der Mensch, was er im nächsten Augenblick will. Ob Butter oder Margarine, da lässt sich wählen. Aber die eigene Existenz so auszumalen, wie sie bestmöglich sein könnte, unmöglich. Es brauchte da keine Philosophen und Psychologen, wenn das jeder so leicht beanworten könnte. Entsprechend fielen meine Ideen recht allgemein und beliebig aus. Zweite Aufgabe war die Veränderungen zu nennen, die nach eigener Meinung nötig sind, um diesen Zustand zu erreichen. Schon etwas leicher zu beantworten, wenn auch eher allgemein. Die Vorschläge der Gruppen wurden an eine Pinnwand gesteckt und vorgelesen. Andrea Vetter war recht zu frieden, denn die Ergebnissen ähnelt denen, die verschiedene Arbeitsgruppen von Attac entworfen haben. Diese hat sie dann in einem weiteren Kurzvortrag vorgestellt. Sie waren recht umfangreich, von einem anderen Bild auf Arbeit, auf Konsum, auf Nutzung der Natur. Da ich keine Notizen gemacht habe, kann ich diese hier nicht aufzählen. Es sei auf weiterführende Literatur verwiesen. Anschließend fand eine Diskussion zur Wachstumskritik statt, an der ich nicht teilnahm, was ich im nachhinein bedauer.
Die dritte und letzte Veranstaltung die ich in der A-Woche besuchte, war ein Vortrag über Anarchismus von Gabriel Kuhn mit anschließender Diskussion. Inhalt des Vortrags war vorallem die Geschichte des Anarchismus. Dabei legte Kuhn besonders darauf Wert, Anarchismus als zwei Strömungen zu betrachtet. Der eine, der direkt aus der Arbeiterbewegung stammt, dem Marxismus ähnelt, aber doch ein Gegenkonzept ist und mehrheitlich in Gewerkschaften organisiert ist, und der Philosophische Anarchismus, welcher weit früher entstand und den Einzelnen, also das Individuum und seine Freiheit im Blick hat. Beide Strömungen überschneiden sich in verschiedenen Personen und Positionen, haben aber dennoch bis heute tiefe Gräben zwischen sich. Kuhn sieht sich mehr zwischen den Strömungen und möchte ein Aufeinanderzubewegen bewirken. Die Diskussion im Anschluss hatte verschiedene Themen und Wendungen, drehte sich aber immer wieder um diese Spaltung. Bei einigen wurde der Begriff Anarchismus kritisiert. Zum einen weil eine engere Definition fehlt, zum anderen weil er immer wieder mit Gewalt und Rechtsbrechung in Verbindung gebracht wird. Viele Gruppen vermeiden den Begriff Anarchismus, gerade weil er ihnen zu Abstrakt vorkommt und so bestimmte Kreise entfernt, weil sie sich nicht Auseinandersetzen möchten mit anderen Kreisen, die sich zwar auch Anarchistisch nennen, aber ihrer Meinung nach nicht sind. Im Vorfeld der Planung dieser Veranstaltung gab es sogar Überlegungen, den Begriff Anarchismus zu vermeiden. Andere Personen waren dagegen gerade der Meinung, man sollte den Begriff Anarchie oder Anarchismus (auch hier gibt es verschiedene Befindlichkeiten) verwenden, um sich klar von Herrschaftsstrukturen abzugrenzen. Da sich wohl alle Personen im Vorfeld schon mit Anarchismus beschäftigt haben, entfielen grundsätzliche Diskussionen über deren Inhalten.
Insgesamt fand ich alle Veranstaltungen, die ich besucht habe, interessant und habe es nicht bereut sie besucht zu haben. Meine Erfahrungen bzw. deren Bericht hier sind rein subjektiv und kann von anderen Personen ganz anders wahrgenommen worden sein. Ich denke, weil zumindest die Veranstaltungen die ich besucht habe, gut gefüllt waren, dass es nächstes Jahr erneut eine A-Woche im Oktober geben wird. Ich freue mich drauf.
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